Archive for the ‘Leben mit Beeinträchtigung’ Category

Im Gedenken an Thomas Weißenbacher

Freitag, Dezember 23rd, 2011

Albert Brandstätter

In den letzten Tagen ereilte uns die traurige Nachricht, dass unser Freund und Mitstreiter, der langjährige Vorsitzende von Vienna People First, Thomas Weißenbacher Mittwoch 21.12. früh verstorben ist. Es gibt Menschen, die bereiten einfach Freude, wenn man sie trifft, wenn man sich von ihnen verabschieden muss, wenn man mit ihnen eine gemeinsame Aktion vorbereitet, ja selbst dann, wenn man mit ihnen auch einmal streitet. So einer war Thomas, ein Intellektueller unter den Menschen mit Lernschwierigkeiten, ein Unermüdlicher im Kampf um die Rechte behinderter Menschen. Fröhlich selbst wenn es heiß herging, und immer ernsthaft in der Sache.

P Weiszenbacher Neu in

Ich erinnere mich noch genau an eine unserer ersten Begegnungen in meiner allerersten Zeit in der Behindertenpolitik. Da ging es um sein Spezialthema, die Sachwalterschaft. Und noch heute ergreift mich Bewunderung, mit welcher Akribie, mit welchem Sachverstand und mit welch brillanter Rhetorik Thomas uns damals seinen Standpunkt erklärte.

Thomas war einer der Leuchtpunkte der SelbstvertreterInnen in Österreich, Mutmacher und Hoffnungsvermittler. In den letzten Monaten habe ich ihn nur noch selten gesehen, da war er oft auch ein wenig müde, aber immer noch mit ansteckender Begeisterung dabei.

Der Vorsitzende von Vienna People First Oswald Föllerer schreibt: „WIR WERDEN SEIN ANDENKEN IN UNSEREN HERZEN WEITERTRAGEN. UND WIR WOLLEN SEINE BEGEISTERUNG UND SEINEN STARKEN BEITRAG FÜR DIE PEOPLE FIRST BEWEGUNG ALS AUFTRAG IN DIE ZUKUNFT MITNEHMEN.“ Dieser Auftrag gilt für uns alle.

Danke Thomas, und gute Reise auf deinen neuen Wegen.

Söbständi

Mittwoch, November 30th, 2011

Albert Brandstätter

„Söbständi ist: Alles sölba macha, sölba denka und toan, söba kinna, söba bestimma, Verantwortung übernehma!“

Brauchen wir eine noch präzisere Beschreibung dessen, was „Selbstbestimmt leben“ bedeutet? Dann sollte man die wunderbare Lebensbeschreibung von Peter Gstöttmaier weiterlesen. Sie ist einer der Siegertexte des diesjährigen Ohrenschmaus, unvergleichlich vorgelesen von Chris Pichler, die den Witz, das Strahlende der Person Peter Gstöttmaier und die Achtsamkeit seiner Begleiter und seiner Schwester durch das Lesen noch deutlicher machte.DSCN1385-300x225 in

Der Weg vom Wohnen im Elternhaus über das Haus der Lebenshilfe hin zum eigenständigen Wohnen: das macht Mut, diesen Weg auch für andere zu gestalten. „Ich hob nämli seit 8.11.2010 eine ganz eigene Wohnung, eine wirkliche Wohnung, so wie Mama, mit 49 m² und ich mach alles söbständi. Alles ist piccobello sauber auch meine Wäsche und mein Arbeitsgewand. Ich kann gehen und kommen wann ich will, i muß niemand fragen. Wenn i will, koch i mir Paprikanudel. Ich kann mich supa sölba fortbringa. Zur Not hilft mir noch meine mobile Betreuerin Barbara L.“

 

Literarischer Ohrenschmaus feierte würdig und stimmig  5 Jahre

Ähnliches konnte man auch aus den Texten der anderen PreisträgerInnen heraushören: Die Lust aufs Leben, auf Licht, auf Zuwendung, das Kopfschütteln über die seltsamen Reaktionen anderer Menschen, die es zwar gut meinen, aber die Situation von Menschen mit Lernschwierigkeiten irgendwie nicht begreifen: die AutorInnen des heurigen Wettbewerbs standen stark im Zentrum der Preisverleihung, und das ist gut so. Die Initiative von Franz-Joseph Huainigg feierte würdige 5 Jahre im Museumsquartier, und dafür sei auch der Jury mit Felix Mitterer, Barbara Rett, Eva Jancak, Kurt Palm, Ludwig Laher, Heinz Janisch und Andrea Stift, die wesentlichen Anteil daran haben, dass dies ein Literaturpreis und nichts anderes ist, gedankt.

Die Siegertexte von Ruth Oberhuber aus Gallneukirchen von Reinhard Schmidt aus Hannover und Peter Gstöttmaier aus Grein sind nachzulesen unter: http://ohrenschmaus.net/ . Und übrigens: Es gibt eine tolle CD mit dem „best of“, gelesen von Chris Pichler und Frank Hoffmann. Sie ist im Ö1-Shop erhältlich.

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Und dazu: Ein Buch “Kann nicht schlafen,” mit den besten Texten des Ohrenschmaus ist, herausgegeben von Franz-Joseph Huainigg,  im Verlag der Provinz erschienen. Weihnachten kommt…

Zum Schluss nochmals Peter Gstöttmaier: „I hob so a Freud, so a Riesenfreud und i bleib so lang söbständi, so long es geht, do kann kemma was will: Das beste für mi ist „söbständi“.“